Wie wäre die Welt mit einem bedingungslosen Grundeinkommen?


(Bild: Creative Commons von Stefan Bohrer: flickr.com)
 

Unsere Erfindung „Geld“ dient schon lange nicht mehr dem Menschen. Viele fühlen sich vom Geld geknechtet und getrieben, als moderne Sklaven in einem wachstumshungrigen unmenschlichen Wirtschaftsmarkt gefangen – und wissen keinen Ausweg.
 

Wenn man sich mit den Alternativen zu unserem Zentralbank-gesteuerten Geldsystem beschäftigt (siehe zum Beispiel Alternativen zum Geld-System: Franz Hörmann / Informationsgeld), stößt man immer wieder auf den Begriff bedingungsloses Grundeinkommen als wichtiger zentraler Bestandteil des neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gesamtsystems. Und meistens kommt dann sofort der Aufschrei der Kritiker…
 

„Dann würde ja keiner mehr arbeiten gehen!“
 

Ja, das denkt man laut einer Umfrage von 80% seiner Mitmenschen. Fragt man aber jeden einzeln, wie er es mit der Arbeit halten würde, möchten 60% weiterarbeiten wie bisher, 30% würden eine Veränderung suchen (aber trotzdem arbeiten) und nur 10% würden „erstmal ausschlafen“ und dann mal weitersehen.
 

Die wenigsten hätten also Lust, ihr Leben auf der Coach zu verbringen. Da viele unsinnige Arbeiten wegfallen würden (dazu komme ich gleich), würde man die wirklich zu erledigende Arbeit deutlich besser verteilen können, so dass nicht mehr bis zur Erschöpfung und Burnout gerackert werden müsste. Denkt man das weiter, wird einem klar: Wir würden uns von einer Ellbogengesellschaft zu einer Kooperationsgesellschaft entwickeln.
 

Menschen würden zufriedener sein, weil sie keine Angst vor Armut haben bräuchten. Sie können aus der Ruhe und Entspannung heraus neue Ideen entwickeln, Selbstständigkeit ausprobieren, ihre eigene innere Entwicklung vorantreiben, neue Fertigkeiten lernen, die ihnen Freude machen – wozu heutzutage im Hamsterrad kaum jemand Zeit findet.
 

Menschen wären kreativer und würden mehr erfinden, weil sie nämlich auch Fehler machen dürften. Nur aus Fehlern lernt man dazu und entwickelt die Ideen weiter, bis sie funktionieren. Wer heute etwas neues entwickelt, hat dabei oftmals einen großen finanziellen Druck hinter sich. Schaut man sich Menschen an, die Zeit und Muße haben (zum Beispiel auf einem mehrtägigen Musik-Festival oder auf einer schönen Insel in Süd-Thailand), werden mit einem Mal unglaublich kreative Lösungen gefunden. Wir alle sind viel kreativer, als wir glauben – wir haben in unserem jetztigen System nur wenige Möglichkeiten, das auszuleben.
 

Unsinnige Arbeiten fallen weg
 

Befreiung gibt es auch von der Art unserer Arbeit. Wir haben immer noch Angst, dass unsere Arbeit von Maschinen oder Software übernommen wird und wir sie dadurch verlieren – und damit auch unser Lebenseinkommen verlieren. Die Rationalisierung wird aber in jedem Falle immer weiter voranschreiten, und das ist auch gut so: der Mensch ist nämlich zu viel Höherem fähig. Hat er Zeit und Muße, lernt er etwas neues – etwas, was ihm Spaß macht. Etwas, in dem er ganz aufgehen kann. Und vielleicht auch etwas, mit dem er der Gemeinschaft Gutes tun kann.
 

Ganze Berufsgruppen würden nach und nach wegfallen. Man bräuchte z.B. keine Steuerberater mehr (dazu gleich mehr), die präzise denkenden Menschen aus dieser Berufsgruppe könnten viel besser an Entwicklungen arbeiten, die uns wirklich voranbringen.
 

„Das ist doch gar nicht bezahlbar!“
 

Doch, und dieser Kritikpunkt ist sogar das kleinste Problem, wie zahlreiche Wirtschaftswissenschaftler ausgerechnet haben. Man müsste allerdings das Steuersystem extrem vereinfachen. Der Staat erhebt zur Zeit Steuern auf jeden kleinen Produktionsschritt (fast hätte ich Furz geschrieben…). Dieses höchstkomplexe System könnte man mit einer simplen Konsumsteuer (das ist die Mehrwertsteuer) vollständig ablösen. Wieder werden zigtausende Menschen frei, eine Arbeit zu finden, die der Gesellschaft wirklich weiterhilft – denn das jetztige Steuersystem dient schon lange nicht mehr dem Menschen.
 

Die Umsetzung
 

Jede neue System-Idee sollte erprobt und verbessert werden. Es wäre toll, wenn sich ein Dorf oder ein Landkreis in Europa dazu entschließen würde. So, wie es bereits ein Dorf in Deutschland gibt, das sich autark selbst versorgt und dazu noch eine eigene Dorf-Währung eingeführt hat, könnte auch das bedingungslose Grundeinkommen ausprobiert werden. In einer einfachen Version wird es an zwei Orten in Südamerika und Afrika bereits getestet – und in Brasilien steht das Recht darauf inzwischen sogar in der Verfassung. In der Schweiz steht demnächst eine Volksabstimmung an.
 

Ein kleines Problemchen wäre da noch das wachstumshungrige Wirtschaftsmonster, das aufgrund unseres Schuldgeld- und Zinseszins-Systems jeden Tag exponentiell hungriger wird. Ein System, das Zerstörung, Hunger und Krieg benötigt, um weiter wachsen zu können. Darum finde ich Vorschläge und Ideen, die auch eine alternative Geldwährung mit einbeziehen (z.B. von Franz Hörmann: Informationsgeld oder Andreas Pott: Plan-B) deutlich ausgereifter.
 

Meine persönlichen Erfahrungen stützen übrigens ebenfalls den Gedanken des bedingungslosen Grundeinkommens. Seit einigen Monaten konnte ich meinen persönlichen Wechsel vom reinen Dienstleister in der Videoproduktion zum Selbstverlagsinhaber soweit ausbauen, dass ich von meiner neuen Arbeit leben kann (also auch dann, wenn ich keine Lust hätte zum Arbeiten). Ich verdiene zwar weniger, bin aber deutlich ausgeglichener und zufriedener – und kann aus einer inneren Ruhe heraus das weiterentwickeln, was mir am meisten Freude bereitet. Und damit scheinbar auch dem einen oder anderen Menschen weiterhelfen. Die Freiheit, ohne Druck weitermachen zu können, ist ein wunderbares Gefühl, aus dem hoffentlich noch ganz viel entstehen wird. :-)
 

Wer sich intensiver mit den vielen Vorteilen und den Kritiken zum bedingungslosen Grundeinkommen beschäftigen möchte, dem empfehle ich diese gut recherchierte Dokumentation: