Ernährung ohne Monsanto: Ist das überhaupt noch möglich?


(Bild: Creative Commons von Donna Cleveland: flickr.com)
 

Lange habe ich gezögert mit diesem Artikel. Wer im Internet nur ein klitzekleines bisschen zu den Hintergründen des gigantischen Weltkonzern-Geflechts Monsanto recherchiert (z.B. hier, hier oder hier), kann nachts nicht mehr ruhig schlafen. Aber Augen, Ohren und Mund einfach zuzuhalten, wie das berühmte Bild mit den drei Affen, war noch nie meine Stärke. :-)
 

Monsanto hat sich in den letzten Jahren ein „Quasi-Monopol auf Nahrungsmittel“ aufgebaut, nicht nur in nord- und südamerikanischen Ländern und sehr großen Teilen Afrikas, sondern auch zunehmend in Europa. Zuletzt gab es große Investitionen in der derzeit durch die Kriegs-Unruhen sehr preiswerten Ukraine, der "Kornkammer Europas".
 

Auch etliche Saatgutfirmen wurden in den letzten Jahren von Monsanto oder einer der zahlreichen Tochtergesellschaften aufgekauft. Diese Strategie hat zur Folge, dass in vielen Fällen noch nicht einmal die Mitarbeiter mancher Saatgutfirmen so ganz genau wissen, wer eigentlich auf der obersten Pyramidenstufe ihrer Firma als Brötchengeber und Entscheidungsträger sitzt.
 

Entsprechend schwierig ist es mittlerweile auch, an garantiert Monsanto-freies Saatgut zu gelangen. Denn was auf der Verpackung draufsteht, hat leider so gut wie keine Aussagekraft, woher die Samen letztlich kommen.
 

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, mit einem Bio-Saatgut-Experten über dieses Problem zu sprechen. Dieser ist bereits seit langer Zeit für die Beschaffung von Bio-Saatgut für seine Firma tätig. „Vor einigen Jahren war diese Aufgabe leicht zu lösen, in den letzten 1-2 Jahren wurde es gespenstisch schwierig“, so erzählte er mir bei unserem vertraulichen Gespräch. Über verschiedene Datenbanken und andere Quellen informiert er sich stets sehr genau über Hintergründe und finanzielle Beteiligungen einer Saatgutfirma, dennoch lässt sich nicht immer zweifelsfrei der Ursprung des Saatgutes bestätigen.
 

Was früher mit 2-3 Telefonaten erledigt war, wird jetzt zur tagelangen Recherche-Orgie. Und das hat weitreichende Auswirkungen, auch auf die Lebensmittel, die wir in unserem Lieblings-Supermarkt an der Ecke einkaufen: Manche schätzen, dass bereits mehr als 80% aller Gemüse- und Obstbestände, die bei uns im Supermarkt verkauft werden, einen Monsanto-Saatgut-Hintergrund haben.
 

Da hilft auch kein "Bio-Gemüse": Wenn die zentrale Einkaufsabteilung einer Supermarktkette zertifiziertes Bio-Gemüse einkaufen, achten sie dabei nicht immer darauf, dass die für dieses Gemüse (genau mit GPS-Koordinaten!) deklarierten Anbauflächen oftmals nur ein Bruchteil der bestellten Produktionsmenge erwirtschaften könnten. Wenn rundherum um die deklarierten Bio-Felder dann vielleicht 10 konventionelle Anbauflächen gruppiert sind, um die bestellte Menge an "Bio-Gemüse" auch liefern zu können, möchten das viele Einkäufer lieber gar nicht so genau wissen.
 

Aber Bio-Gemüse sieht doch immer ein bisschen schrumpelig aus? Für einen Experten ist das kein Problem: Einige Schädlinge wie z.B. die weiße Fliege können im Anbaugebiet bewußt gezüchtet werden und sorgen dann für das gewünschte leicht verschrumpelte typische „Bio“-Feeling. Ich möchte hier den Begriff "Bio" nicht generell verunglimpfen. Doch immer dort, wo mit wenig Aufwand größere Profite gemacht werden können, ist die Verlockung für manche Menschen sehr groß.
 

Wenn einem das Gemüse stattdessen lieber schick glänzend und leuchtend anlächeln soll, ist auch das kein Problem: eine Wachsschicht drüber, beim roten Paprika noch etwas schwefeln (!), dazu die richtigen Lebensmittellampen im Supermarkt installieren, und schon wird das Hochglanz-Gemüse besser verkauft – allerdings auch nur, weil es der Verbraucher so nunmal am liebsten hat und sich dafür auch gerne beschummeln lässt. Es liegt also an dir selbst, wie lange du dieses Spiel mitmachen möchtest.
 

Was du tun kannst? Es ist als Verbraucher eigentlich nicht möglich, Monsanto-Saatgut und den daraus resultierenden Produkten aus dem Weg zu gehen. Es besteht nur die Möglichkeit, entsprechende Kennzeichnungen beim Gesetzgeber zu fordern oder bei kleinen Bio-Betrieben in der Nähe einzukaufen und sich entsprechend zu informieren. Das ist aber allein aus finanzieller Sicht für viele Menschen nicht möglich. Gegen Monsanto hilft nur ein globales Aufbegehren.
 

Selbstanbau ist selbstverständlich eine gute Alternative, sofern man den Gartenplatz und die Zeit dazu findet. In diesem Sinne sind kooperativ betriebene Gemeinschaftsgärten (Community Gardening) sicherlich ein ganz wichtiger Weg in die Zukunft! Vielleicht gibt es ja schon einen Gemeinschaftsgarten in deiner Nähe? Oder vielleicht startest du ein solches Projekt mit einigen anderen Menschen?
 

Dazu passend hier der Trailer zu einem sehr vielversprechenen Film zu diesem Thema: Voices of Transition von meinem Namensvetter Nils Aguilar!